Das Band der Freundschaft

Der indische Gelehrte Patañjali beschreibt im Yoga Sutra den 8-gliedrigen Pfad des Yoga. Er beginnt dabei mit dem wichtigsten Prinzip: Yama. Das sind moralische Verhaltensregeln im Umgang mit unseren Mitmenschen und allen Lebewesen auf der Erde.

Eine Yama-Stunde betrifft unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und möchte uns erinnern, dass wir gut miteinander umgehen und uns bekräftigen, einander zu helfen und uns gegenseitig verstehen zu lernen.

In folgendem Kinderyoga-Stundenbild geht es um Verbindung, Freundschaft und um das Wir.

Um das Thema einzuführen, geht der goldene Wollkneuel reihum und ich lege ihn jedem Kind ums Handgelenk. Wir alle sind verbunden. Bevor wir die Yogastunde beginnen, schneiden wir den Faden durch und verknoten daraus für jedes Kind ein goldenes Band der Freundschaft.

Wir begrüßen uns – wie man das als Freund so macht – mit festem Händedruck oder einer Umarmung, sagen dann „Hallöchen“ zum Popöchen, begrüßen uns mit Ellenbogen und Knien, von Stirn zu Stirn, mit dem Nasenkuss der Inuit und auf weitere kreative Arten, die den Kindern spontan einfallen.

Beim Aufwärmen dreht sich alles um ein weiteres Band, das uns verbindet und manchen Lesern bestimmt noch aus der eigenen Kindheit bekannt ist: ein flexibles Band namens Gummitwist (oder auch Hüpfgummi genannt).
Das macht Spaß und kurbelt den Kreislauf an! Das Wir-Gefühl wächst an gemeinsamen Aktivitäten, zum Beispiel bei Sport und Spiel.

Nun sind die Kinder aufgewärmt und bereit für eine Yoga-Geschichte zum Thema Freundschaft. Inspiriert dazu hat mich das Kinderbuch Das kleine Wir von Daniela Kunkel (erschienen im Carlsen Verlag): Das Wir ist etwas ganz Besonderes, heißt es da. Es entsteht, wo Menschen sich mögen.

Das Wir hat Zauberkräfte! Es verbindet Menschen auf wundervolle Weise und lässt sie aneinander denken, auch wenn sie sich gerade nicht sehen. Die Kinder genießen einen Augenblick der Ruhe und finden Zeit, um an jemanden zu denken, mit dem sie durch das Wir verbunden sind. Das Wir ist sehr, sehr wertvoll.

Eine schöne und dazu sehr gut passende Partneryogaübung findest du in dem Buch meiner Lehrerin Andrea Helten Yoga für dich und dein Kind (erschienen im Riva Verlag): Die achtsamen Eulen (Seite 76f).

Das Wir wohnt in unseren Herzen. Dort ist es sehr gemütlich.
Ich empfehle dazu die Übung „Herzöffnung“, die ebenso in Andreas Buch zu finden ist (S. 74f). Die Übung kann alleine durchgeführt werden, ist aber auch passend für Eltern-Kind-Yogastunden.

Das Wir wächst an gemeinsamen Aufgaben und Herausforderungen, wie zum Beispiel beim Befördern einer Zauberkugel oder Perle, ohne dass sie zu Boden fällt. Dass diese Übung ganz schön auf die Bauchmuskeln geht, fällt den Kindern gar nicht auf. 🙂

Aufgabe geschafft! Das Wir wächst. Der Ball auch. Dafür ist er viel leichter als der erste Ball. Die Aufgabe gelingt leichter, schneller.
Das Gehirn hat das Geschicklichkeitsspiel wiedererkannt.

Mit dem Komplimente-Ball kann man sich ganz tolle Komplimente zuwerfen: „Achtung, Name des Kindes, hier kommt ein Kompliment!“ ruft man dem anderen zu. Der Ball wird von einem Kind geworfen, von einem anderen gefangen. Das erste Kind sagt dem zweiten, was es an ihm toll findet. Der Ball geht mehrmals reihum, kreuz-und-quer. Die Kinder haben Spaß, Komplimente auszusprechen und welche zu bekommen.

Tipp: ggf. die Bedeutung eines Kompliments vorher einführen und erklären.

Auch ein Baum empfindet das Leben leichter in Gruppen bzw. als Wald. Denn Bäume unterstützen sich gegenseitig, wie man u.a. hier nachlesen kann: Naturwald-akademie

Auch Fische, Vögel und Ameisen haben ein besonders starkes Wir! Sie besitzen etwas, das man Schwarmverhalten nennt. Sie formieren sich zu großen Gruppen und agieren bzw. reagieren gemeinsam und beinahe gleichzeitig. Das dient ihnen als Schutz vor Feinden.

Tipps zur Ausführung der Körperübungen (Asanas): für den Fisch z.B. nach Kinder entspannen mit Yoga von Petra Proßowsky, Seite 27 oder nach Yoga Kids von Marsha Wenig, Seite 80. Für den Vogel z.B. Marsha Wenig, Seite 57.

Meine beiden süßen Fischchen sind gegen Ende der Yogastunde zwei müde Kaulquappen. Dennoch darf der Delfin, als sehr soziales Wesen nicht fehlen. 🙂

Delfine leben in Gruppen, sogenannten Schulen, von bis zu 1000 Tieren. Sie können eine starke Bindung untereinander entwickeln, was sich besonders im Verhalten gegenüber verletzten und kranken Artgenossen zeigt.

Zum Abschluss gibt es noch Spaß mit bunten Pompons und natürlich darf auch das gemeinsame aufräumen nicht fehlen, und zwar zur Abwechslung einmal mit den Füßen! Das ist lustig, kreativ und anders und fördert nebenbei die Feinmotorik.

Ein OMMMMM
auf die Freundschaft!



namasté
Sabine


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