KINDERYOGA

INDIEN-STUNDE MIT TIER-ASANAS

Dieses Stundenbild habe ich für die Kids an der Offenen Ganztagsschule Oberding konzipiert. Vor einigen Wochen durfte ich dort zwei Schnupperstunden halten. Obwohl ich beide Male die selbe Stunde unterrichtete, machten die Kinder daraus immer etwas sehr Individuelles und Unterschiedliches. Kinderyoga ist so schön lebendig!

Viele Kinder kommen in diesen Schnupperstunden zum ersten Mal mit Yoga in Berührung. Deshalb ist es für mich naheliegend, thematisch am Anfang zu starten und eine Reise in das Ursprungsland des Yoga zu machen.

Bevor wir uns auf unsere Reise nach Indien machen, starten wir mit einem Aufwärmlied aus Deutschland: dem Fliegerlied („So ein schöner Tag“ von Tim Toupet). Der Text geht so:

Ich lieg‘ gern im Gras und schau‘ zum Himmel rauf,
Schaun die ganzen Wolken nicht lustig aus.
Und fliegt ’n Flieger vorbei, dann wink‘ ich zu ihm rauf.
Und bist du auch noch dabei, dann bin ich super drauf.

Und ich flieg, flieg, flieg wie ein Flieger,
Bin so stark, stark, stark wie ein Tiger,
Und so groß, groß, groß wie ’ne Giraffe, so hoch…

Und ich spring, spring, spring immer wieder,
Und ich schwimm, schwimm, schwimm zu dir rüber,
Und ich nimm, nimm, nimm dich bei der Hand
Weil ich dich mag, und ich sag

Heut ist so ein schöner Tag…
(etc.)

Wir fliegen nach Indien und lernen, dass Indien 9x größer ist als Deutschland und dass dort 16x mehr Menschen wohnen als bei uns. Ein Schaubild aus LEGO veranschaulicht das.

Wir hören den Straßenlärm von Delhi und ziehen uns in eine Einsiedelei zurück, um Ruhe zu finden.

Eine Minute still zu sitzen fällt den Kindern nicht schwer. Aber wie wäre es, wie die alten Yogis, stundenlang zu meditieren? Was würde uns alles weh tun? Deshalb haben die alten Yogis sich Asanas aus der Natur abgeschaut (speziell aus der Tierwelt), um zu sehen, wie man stark und beweglich bleibt.
Wir lernen Stabilität vom Baum, Beweglichkeit im Rücken von Katze und Kuh, Rücken- und Armstreckung vom Hund, eine kleine Rückbeuge von der Kobra, und Armkraft und die tiefe Rückbeuge vom aufschauenden Hund.

Dann kommen wir zu einem ganz besonderen Tier: dem Elefanten.
Elefanten sind nicht nur besonders stark, sondern auch sehr feinfühlig. Mit ihren Rüsseln können sie ganz kleine, feine Gegenstände aufsammeln.
Und soziale Tiere sind sie obendrein! Wir lieben Elefanten.

Wir besuchen noch Krokodil und Fisch (inkl. Löwenatmung), Schmetterling und Schildkröte, bevor wir uns zusammen mit dem Medi-Tier ausruhen.
Das Medi-Tier hebt und senkt sich auf unserem Bauch. Und zusammen fühlen wir uns wohl und geborgen.

Wann kommst Du mit nach Indien?

namasté (ich verbeuge mich vor dir),
deine Sabine

DAS BAND DER FREUNDSCHAFT

Der indische Gelehrte Patañjali beschreibt im Yoga Sutra den 8-gliedrigen Pfad des Yoga. Er beginnt dabei mit dem wichtigsten Prinzip: Yama. Das sind moralische Verhaltensregeln im Umgang mit unseren Mitmenschen und allen Lebewesen auf der Erde.

Eine Yama-Stunde betrifft unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und möchte uns erinnern, dass wir gut miteinander umgehen und uns bekräftigen, einander zu helfen und uns gegenseitig verstehen zu lernen.

In folgendem Kinderyoga-Stundenbild geht es um Verbindung, Freundschaft und um das Wir.

Um das Thema einzuführen, geht der goldene Wollkneuel reihum und ich lege ihn jedem Kind ums Handgelenk. Wir alle sind verbunden. Bevor wir die Yogastunde beginnen, schneiden wir den Faden durch und verknoten daraus für jedes Kind ein goldenes Band der Freundschaft.

Wir begrüßen uns – wie man das als Freund so macht – mit festem Händedruck oder einer Umarmung, sagen dann „Hallöchen“ zum Popöchen, begrüßen uns mit Ellenbogen und Knien, von Stirn zu Stirn, mit dem Nasenkuss der Inuit und auf weitere kreative Arten, die den Kindern spontan einfallen.

Beim Aufwärmen dreht sich alles um ein weiteres Band, das uns verbindet und manchen Lesern bestimmt noch aus der eigenen Kindheit bekannt ist: ein flexibles Band namens Gummitwist (oder auch Hüpfgummi genannt).
Das macht Spaß und kurbelt den Kreislauf an! Das Wir-Gefühl wächst an gemeinsamen Aktivitäten, zum Beispiel bei Sport und Spiel.

Nun sind die Kinder aufgewärmt und bereit für eine Yoga-Geschichte zum Thema Freundschaft. Inspiriert dazu hat mich das Kinderbuch Das kleine Wir von Daniela Kunkel (erschienen im Carlsen Verlag): Das Wir ist etwas ganz Besonderes, heißt es da. Es entsteht, wo Menschen sich mögen.

Das Wir hat Zauberkräfte! Es verbindet Menschen auf wundervolle Weise und lässt sie aneinander denken, auch wenn sie sich gerade nicht sehen. Die Kinder genießen einen Augenblick der Ruhe und finden Zeit, um an jemanden zu denken, mit dem sie durch das Wir verbunden sind. Das Wir ist sehr, sehr wertvoll.

Eine schöne und dazu sehr gut passende Partneryogaübung findest du in dem Buch meiner Lehrerin Andrea Helten Yoga für dich und dein Kind (erschienen im Riva Verlag): Die achtsamen Eulen (Seite 76f).

Das Wir wohnt in unseren Herzen. Dort ist es sehr gemütlich.
Ich empfehle dazu die Übung „Herzöffnung“, die ebenso in Andreas Buch zu finden ist (S. 74f). Die Übung kann alleine durchgeführt werden, ist aber auch passend für Eltern-Kind-Yogastunden.

Das Wir wächst an gemeinsamen Aufgaben und Herausforderungen, wie zum Beispiel beim Befördern einer Zauberkugel oder Perle, ohne dass sie zu Boden fällt. Dass diese Übung ganz schön auf die Bauchmuskeln geht, fällt den Kindern gar nicht auf. 🙂

Aufgabe geschafft! Das Wir wächst. Der Ball auch. Dafür ist er viel leichter als der erste Ball. Die Aufgabe gelingt leichter, schneller.
Das Gehirn hat das Geschicklichkeitsspiel wiedererkannt.

Mit dem Komplimente-Ball kann man sich ganz tolle Komplimente zuwerfen: „Achtung, Name des Kindes, hier kommt ein Kompliment!“ ruft man dem anderen zu. Der Ball wird von einem Kind geworfen, von einem anderen gefangen. Das erste Kind sagt dem zweiten, was es an ihm toll findet. Der Ball geht mehrmals reihum, kreuz-und-quer. Die Kinder haben Spaß, Komplimente auszusprechen und welche zu bekommen.

Tipp: ggf. die Bedeutung eines Kompliments vorher einführen und erklären.

Auch ein Baum empfindet das Leben leichter in Gruppen bzw. als Wald. Denn Bäume unterstützen sich gegenseitig, wie man u.a. hier nachlesen kann: Naturwald-akademie

Auch Fische, Vögel und Ameisen haben ein besonders starkes Wir! Sie besitzen etwas, das man Schwarmverhalten nennt. Sie formieren sich zu großen Gruppen und agieren bzw. reagieren gemeinsam und beinahe gleichzeitig. Das dient ihnen als Schutz vor Feinden.

Tipps zur Ausführung der Körperübungen (Asanas): für den Fisch z.B. nach Kinder entspannen mit Yoga von Petra Proßowsky, Seite 27 oder nach Yoga Kids von Marsha Wenig, Seite 80. Für den Vogel z.B. Marsha Wenig, Seite 57.

Meine beiden süßen Fischchen sind gegen Ende der Yogastunde zwei müde Kaulquappen. Dennoch darf der Delfin, als sehr soziales Wesen nicht fehlen. 🙂

Delfine leben in Gruppen, sogenannten Schulen, von bis zu 1000 Tieren. Sie können eine starke Bindung untereinander entwickeln, was sich besonders im Verhalten gegenüber verletzten und kranken Artgenossen zeigt.

Zum Abschluss gibt es noch Spaß mit bunten Pompons und natürlich darf auch das gemeinsame aufräumen nicht fehlen, und zwar zur Abwechslung einmal mit den Füßen! Das ist lustig, kreativ und anders und fördert nebenbei die Feinmotorik.

Ein OMMMMM
auf die Freundschaft!



namasté
Sabine